CD-Besprechung - virgin-jazz-face

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FAST TRACKS
Volume 6
 
Schnelldurchlauf Vol. 6  - neues Jahr, neue Alben mit Musik aus Jazz und der Welt.
 
Dagobert Böhm ist Labelchef, aber auch Musiker. Nach einer lebensbedrohlichen Krankheit ist der sympathische Gitarrist  mit einem neuen Album zurück. Within a Dream (Ozella) heißt es und Böhm und seine drei Mitstreiter Carsten Mentzel, Karl Seglem, Knut Hem und Ómar Gudjónsson haben hier einfach luftig-leichte, wunderschöne, verträumte, gefühlsbetonte Musik zwischen Folk und Jazz eingespielt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.    
 
Aus Luanda stammt Lúcia de Carvalho. Heute lebt die Sängerin nach Stationen in Frankreich und Portugal in der Nähe von Strasbourg. Ihre Musik aber klingt mehr nach ihrem Heimatland Angola. Eigentlich ist es sogar eine musikalische Reise zwischen Brasilien und Afrika, die man auf Pwanga (Zamora) hört, einem rhythmisch lebendigen, positiven Album, das zwischendurch sogar rüberschielt zu R&B oder Rock.   
 
Die galizische Sängerin und Cellistin Rosa Cedrón bietet auf ihrem dritten Album unter eigenem Namen eine zauberhafte und seelenvolle Reise durch Popmusik mit Versatzstücken galizischer Folkore. Eine betörende Mischung. Ihre einnehmende Stimme hat schon den Briten Mike Oldfield verzaubert, der sie Ende der 1990er Jahre einlud an „Tubular Bells III“ mitzuwirken und auch mit ihm auf Tour zu gehen. Mit Nómade (Karonte) kann Rosa Cedrón einmal mehr ihr ganz eigenes Gesicht und ihre ganze Klasse zeigen.
 
Das junge dänische Trio Little North verzückt auf Familiar Places (April Records) wieder mit seinem eigenen nordischen Jazzsound, der aber deutlich hörbar auch in der amerikanischen Jazztradition verhaftet ist. Pianist Benjamin Nørholm Jacobsen, Bassist Martin Brunbjerg Rasmussen und Drummer Lasse Jacobsen schaffen aus allen ihren Einflüssen eine Klangsprache mit großen Melodien und schwelgerischen Momenten. Und setzen dabei immer auf ihr traumwandlerisches Zusammenspiel. Das bekommt hier stellenweise Ergänzung durch zwei hörenswerte Gäste, Gitarrist Viktor Spasov und Trompeter Kasper Tranberg.  
 
Solopiano gibt es von Florian Favre auf Idantitâ (Traumton) zu hören. Der Schweizer Tastendrücker hat sich in der Pandemie zurückgezogen, sich auf sich selbst und die eigene Geschichte und Identität konzentriert. So kam er neben selbstgeschriebenen Stücken auch zu welchen, die er früher in Chören gehört hatte. Etwa zu Kompositionen des Schweizer Pfarrers Joseph Bovet, die er hier wunderbar aufbereitet hat. Neben besinnlichen und sehr lyrischen Stücken Musik ist dabei auch Raum für kraftvollere Passagen, bei denen Favre auch mal mit dem präparierten Klavier arbeitet.  
 
Text: Christoph Giese


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FAST TRACKS
 
Volume 5
 
Schnelldurchlauf Vol.5  - kurz vor dem Fest noch frische Musik aus Jazz und der Welt, die auch an Weihnachten Spaß machen.
 
Auf dem feinen Sampler Polish Ladies - Jazz (Soliton) geben sich ein ganzer Schwung an polnischen Musikerinnen die Ehre. Komponistinnen, Texterinnen oder Sängerinnen servieren auf dem Doppelalbum einen bunten Musikcocktail, der nicht immer nur stur im Jazz verwurzelt ist. Die Damen, darunter etwa die Klasse-Sängerinnen Joanna Knitter oder Joanna Bejm, dürfen sich auf jedem der beiden Silberlinge mit einem Stück präsentieren. Frische, tolle Musik mit viel Entdeckungspotenzial.
 
Zu entdecken gibt es auch einiges bei zwei Platten aus Bella Italia, beide erschienen bei Paolo Fresu´s Label Tŭk Music. PopOFF! heißt die eine und Paolo Fresu lässt es sich nicht nehmen auf Trompete und Flügelhorn mitzuspielen. Als prägende Figur ist Sängern Cristina Zavalloni zu nennen. Zusammen mit weiteren Musikern, darunter ein Streichquartett, werden Lieder des berühmten Kinder-Songfestivals „Zecchino d´Oro“ in Bologna in den Jazz überführt. Verspielt, voller Leichtigkeit, einfach hinreißend!   
 
Die zweite Platte stammt von der sizilianischen Pianistin Sade Mangiaracina, die ihr neues, im Trio mit Bass und Schlagzeug aufgenommenes Album Madiba dem großen Nelson Mandela gewidmet. Alle acht von der Pianistin komponierten Stücke sollen Bezug nehmen auf das Leben Mandelas, was man der Musik letztendlich nur manchmal anhört. Dennoch, Mangiaracina zeigt sich hier als interessante Musikerin, der man sein Ohr auf jeden Fall widmen sollte.
 
Zwischen Pop und Singing/Songwriting hat sich Maria Solheim längst ihre Nische geschaffen. Die Norwegerin ist international seit vielen Jahren erfolgreich, hat sogar schon bei einer Taufe auf dem norwegischen Königsschloss gesungen. The Bird Has Flown (Kirkelig Kulturverksted) heißt ihre neue Platte. Mitgewirkt haben unter anderen zwei Landsleute, die sonst etwa bei Nils Petter Molvær in der Band spielen. Produziert hat Gitarrist Geir Sundstøl, und herausgekommen ist ein gefühlvolles Werk mit zeitlos schönen Songs.
 
Auch die junge Belgierin Meskerem Mees passt perfekt in das Gerne Singer/Songwriter. Eine klare, samtige Stimme hat sie, begleitet sich in ihren poetischen Songs selbst auf der Gitarre und spielt mal das eine oder andere Instrument, lässt sich ansonsten aber eigentlich nur noch von ihrer Freundin Febe gelegentlich auf dem Cello unterstützen. Die in Äthopien geborene und in Belgien bei Adoptiveltern aufgewachsene Künstlerin setzt mit ihrem Debütalbum Julius (May Way Records) die Latte schon mal sehr hoch mit ihrem Songwriting und ihrem Gesang.  
 
Daniel Kahn ist dagegen ein bekannter Name in der internationalen Klezmerszene. Sein neues Album ist das erste, das der in Hamburg lebende Amerikaner komplett allein eingespielt hat. Kein Problem für Kahn, ist der Sänger doch auch Multiinstrumentalist. Dennoch ist Word Beggar (Oriente Musik) ein behutsam instrumentiertes, intimes und gefühlvolles Werk zwischen Klezmer, Folk und Jazz geworden. Mit seelenvollen Adaptionen von Kompositionen von George Brassens, Kurt Tucholsky oder Kadya Molodowsky. Und Leonard Cohen´s „Hallelujah“ als „Haleluye“ auf Jiddisch zu hören ist ein starker Moment am Ende eines berphrenden Albums.
 
Text: Christoph Giese


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Christmas Songs
 
Bei Till Brönner gehen die Meinungen ja gerne mal auseinander. Sein neues Weihnachtsalbum aber sollte eigentlich über jede Kritik erhaben sein. Christmas (Sony) hat der Trompeter es schlicht genannt. Und so reduziert wie der Albumtitel klingt das Werk auch, gibt es neben Brönner auf Trompete und Flügelhorn nämlich nur noch Frank Chastenier am Klavier und Christian von Kaphengst am Bass zu hören. Stimmt nicht ganz, den Song „Christmas Time Is Here“ veredelt Sänger Max Mutzke mit seiner großartigen Stimme. Ansonsten ist hier eine dichte, kammermusikalische Intensität zu spüren. Kein Schmalz, kein Ton zu viel, dafür seelenvolle Klänge. Musik, die das Herz wärmt. Lieder, die man kennt, aber nicht so. Lässt sich übrigens wunderbar schon einige Wochen vor Weihnachten hören.
 
Merry Christmas Baby (TIMEZONErecords) hat die charismatische Sängerin Jasmin Bayer ihr Weihnachtsalbum betitelt. Und bietet darauf eine ganze Palette an Weihnachtsgefühlen. Sehnsuchtsvolle Balladen etwa wie „I´ll Be Home For Christmas“ oder direkt zum Start bluesigen Swing mit „Rudolph The Red-Nosed Reindeer“. Die Münchnerin und ihr Quintett plus Gast Max Braun an Saxofon und Klarinette liefern hier viele hübsche, jazzige Lieder fürs fest, von Swing bis Blues, von Soul bis sogar Latin. Und die insgesamt siebzehn Songs mit einer Gesamtspieldauer von über 72 Minuten reichen locker um nebenbei ganz entspannt den Weihnachtsbaum zu schmücken.
 
Text: Christoph Giese


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Neuerscheinungen - FAST TRACKS Volume 4
 
Volume 4 der Fast Tracks mit frischen Klängen aus Jazz und der Welt.
 
Muss man Larry Coryell noch vorstellen? Der 2017 verstorbene Amerikaner war einer der stilbildenden Jazzgitarristen. Im Herbst 2002 unternahm Coryell mit seinem Trio mit Bassist Mark Egan und Drummer Paul Wertico grippegeplagt eine Europatournee und landeten dann schließlich im einem Tonstudio in der Nähe von Frankfurt um Tricycles (IN+OUT Records) einzuspielen. Körperlich schwach, aber musikalisch in Spitzenform präsentiert der Dreier hier zwölf swingende, teils rockige Jazzperlen mit herrlich herbem Sound, die meisten aus eigener Feder.
 
Noch einmal Paul Wertico: The Bari Session (Challenge Records) ist die erste offizielle Studioaufnahme des Paul Wertico ǀ John Helliwell Project. Zusammen mit Saxofonist und Ex-Supertramp John Helliwell, Gitarrist Raimondo Meli Lupi und Bassist Gianmarco Scaglia hat der jahrelange Schlagzeuger bei Pat Metheny ein modernes, zeitloses Jazzalbum zwischen feinem Jazzrock, atmosphärischen Momenten und Blues eingespielt.  
 
Er ist ein Tausendsassa, in Klassik wie auch in Jazz, Rock oder Klezmer unterwegs. Jetzt kommt der britische Geigen-Superstar Nigel Kennedy mit seinen Lieblingsaufnahmen um die Ecke, die er mit einer 3er CD-Box vorstellt. Natürlich sind die Vier Jahreszeiten von Vivaldi dabei. Und Bach. Aber auch Brahms, Beethoven oder Musik vom polnischen Komponisten Mieczysław Karłowicz. Auf CD Nummer 3 des üppigen Werkes Uncensored (Warner Classics) gibt es dann auch jazzige Improvisationen, rockig verzerrte Klänge von der E-Geige des „enfant terrible“ der Klassikszene zu hören. Und zum Ausklang eine zauberhafte Version von Nick Drake´s „Riverman“, mit einem herrlich rau klingenden Boy George am Mikrofon.
 
Trompeter Lorenz Raab, Tubaspieler Ali Angerer und Schlagwerker Rainer Deixler sind Bleu und bedienen auf Deeper (Traumton Records) noch ein paar Instrumente mehr, wie ein Harmonium oder einen elektrischen Dulcimer (Bordunzither). Ihr gemeinsamer Kammerjazz ist zart, bisweilen melancholisch, immer aber mit vielen Momenten versehen zum Entdecken. Die Musik blickt auch rüber zu Klassik und Ethno und begeistert durch einen kreativen Blickwinkel, viel Spielwitz und Raum für Improvisation.  
 
Das Sebastian Böhlen Trio serviert mit Fallalarenko (Laika Records) ein feines, modernes Gitarrenjazz-Album, das zwar nirgendwo besonders auffällt, aber in den acht Stücken in verschiedensten Stimmungen von balladesk bis rockig prima und niveauvoll unterhält.  
 
Zwei Mal solo zum Schluss des heutigen Schnelldurchlaufs: Pianist Markus Becker hat sein erstes Soloalbum passenderweise Alleingang (Berthold Records) genannt. Aufgenommen im Sendesaal Bremen verquicken hier die Freiheit des Jazz mit klassischem Klaviersatz. Becker ist ein Ästhet an den schwarz-weißen Tasten, ein virtuoser, aber auch gefühlsbetonter Gestalter. Seine Lieder erzählen Geschichten, sind mal romantisch verträumt, dann wieder zupackend. All das verpackt der Pianist in eine eigene, völlig zeitlose Klangsprache. Ex-Dire Straits-Keyboarder Alan Clark spielt auf Backstory (Ponderosa Music Records) Stücke, die ihn in den letzten 40 Jahren geprägt haben. Da sind dann natürlich auch Titel von Mark Knopfler und den Dire Straits dabei, aber auch welche von Bob Dylan oder aus dem Repertoire von Tina Turner. Begrenzt auf Soloklavier bekommen die bekannten Melodien hier natürlich ganz andere Facetten gezeichnet. „Brothers In Arms“ etwa geht hier derart reduziert direkt unter die Haut.
 
Text: Christoph Giese


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Neuerscheinungen - FAST TRACKS Volume 3

Volume 3 vom SCHNELLDURCHLAUF mit frischen Klängen aus Jazz und Weltmusik.
 
Luftig-leicht geht es zum Auftakt los mit Où est l´amour (Buzz Records) des Duos Haesen & Breidenbach. Charlotte Haesen, die in Amsterdam geborene Sängerin mit burundisch-französischen Wurzeln, und der Aachener Gitarrist Philip Breidenbach, der hier auch noch für die komplette Instrumentierung der Songs mit Perkussion und Chören zuständig ist, betreiben ihre Suche nach der Liebe in einem Spannungsfeld aus Jazz, Chanson und Indie-Folk in vier Sprachen und schaffen kleine, hübsch individuell klingende Songperlen, in die man nur allzu gerne eintaucht.
 
Das Jussi Fredriksson Trio ist hierzulande leider nicht so bekannt, aber Pianist Jussi Fredriksson und seine beiden Landsleute an Bass und Schlagzeug spielen wunderbare, eigen klingende Jazzmusik. Inspirieren lassen zu den Archipelago Sea Tales (Flame Jazz) hat sich der Finne von einem neuen Jazzfestival auf kleinen Schären vor seiner Heimatstadt Turku. Wer diese Gegend kennt, kann die Assoziationen der Musik zu der Natur durchaus nachvollziehen. Alle anderen genießen einfach nur das großartige Zusammenspiel der drei Finnen, ihre Klangfarben und Ideenreichtum.
 
Mehr frische Klänge aus Finnland gibt es mit der Espoo Big Band und ihrem neuen Album Blood Red (Galileo MC). Angeregt durch ein Buch des türkischen Literatur-Nobelpreisträgers Orhan Pamuk hat der Schlagzeuger und Komponist Mikko Hassinen eine fiktive Story komponiert, die im Istanbul des 16. Jahrhunderts verortet ist. Herausgekommen ist ein atmosphärisches, vielschichtiges Werk mit dramatischen und aufwühlenden Momenten und spannend eingesetzten Bezügen zu arabischer und persischer Musik. Als Solist brilliert der fantastische Trompeter Verneri Pohjola.
 
Noch einmal „Big Sounds“: Die Space Big Band des dänischen Bassisten Kenneth Dahl Knudsen und des lettischen Saxofonisten Toms Rudzinskis präsentiert sich auf dem selbstbetitelten Album Space Big Band (Double Moon) als starkes elektro-akustisches, zeitgenössisches Jazzorchester, in dem neben elektrisierenden kollektiven Momenten immer auch Räume entstehen für Ruhe, aber auch für Individualität und Improvisation.     
 
Bei einigen bekannten Herrschaften der internationalen Jazzszene sorgt Jonathan Blake für die richtigen Beats. Homeward Bound (Blue Note) ist nun sein Debütalbum unter eigenem Namen bei dem legendären US-Jazzlabel Blue Note. Begleitet von Saxofon, Vibrafon, Tasteninstrumenten und Bass zelebriert der Schlagzeuger aus Philadelphia hier einen absolut zeitgemäßen Modern Jazz, der seine Wurzeln in der Jazztradition aber nicht verleugnet. Es swingt fein und postboppig, und einmal biegt die ganze Bande auch mal kurz ab Richtung Afrika. Erfrischend, auch was Herr Blake und Band hier als Rausschmeißer mit Joe Jackson´s „Steppin´ Out“ machen.
 
Und was Sängerin und Musikerin Melanie Charles hier auf ihrem Album Y´all Don´t (Really) Care About Black Women (Verve) aufgenommen hat, das sollte die in Brooklyn lebende Künstlerin mit haitianischen Wurzeln jetzt mal so richtig bekannt machen. Denn wie sie sich Lieder aus dem Repertoire großer schwarzer Jazzsängerinnen wie Billie Holiday, Abbey Lincoln, Ella Fitzgerald, Dinah Washington oder Sarah Vaughan schnappt und neu interpretiert, elektronisch bearbeitet und remixt und teilweise in imaginären Duetten mit den verstorbenen Jazzdiven singt, das klingt ziemlich hip. Einziger Minuspunkt dieser ansonsten absolut gelungenen Produktion: nach gut einer halben Stunde klingt dieses innovative Werk schon aus.
 
Text: Christoph Giese


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FAST TRACKS
Volume 1
 
Ab sofort geben die FAST TRACKS den Lesern von „Virgin Jazz Face“ einen kleinen Überblick über neue CD-Veröffentlichungen im Bereich Jazz und Weltmusik. Kurz und knackig gehalten soll diese Kolumne in erster Linie neugierig und Appetit machen auf frische Klänge.
 
Los geht es mit dem zweiten Album vom Daniel García Trio beim ACT-Label. Auf Via de la Plata zeigt der spanische Pianist mit seinen beiden kubanischen Mitstreitern an Bass und Schlagzeug sowie Gästen wie dem französisch-libanesischen Trompeter Ibrahim Maalouf, wie genial er Musik seiner Heimat mit Jazz zu verbinden weiß. Demnächst live in der Region zu erleben! Termine: 18. November: KROHNE-Saal, Duisburg; 19. November: domicil, Dortmund.
 
Das Frankfurter Quartett electrolyte besticht in der Besetzung Keyboards/Synthesizer-Bass, Saxofon, Gitarre und Schlagzeug auf seinem Debütalbum Virtual Game mit seiner Mischung aus funkigen Grooves und Elektrobeats, die für bisweilen tanzbare Musik sorgen.
 
The Beat nennt Schlagzeuger Jens Düppe sein neues, im Quartett (unter anderem mit Trompeter Frederik Köster) aufgenommenes Album, das raffinierte Beats zu Rhythmen und letztendlich spannende, auch mal vertrackte Songs anwachsen lässt.  
 
Auch Schlagzeuger Jonas Sorgenfrei setzt auf seinem Debütalbum Elephants Marching On auf eine Quartettbesetzung. Mit dabei auf einer frisch klingenden Reise durch die gehaltvollen, modernen Kompositionen des Bandleaders sind Pianist Rainer Böhm, Saxofonist Wanja Slavin und Bassist Matthias Akeo Nowak, wobei vor allem die beiden Erstgenannten ihre Freiheiten für spannende solistische Akzente nutzen.
 
Kraftvoll singt sie mit warmer Stimme, die Finnin Elena Mȋndru, und entpuppt sich auf Hope auch als gekonnte Vokalimprovisatorin. Mit ihrer um den polnischen Geiger Adam Baldych erweiterten Band interpretiert die gebürtige Rumänin nonchalant schöne, melodische Jazzsongs mit Ethnoeinschlag.
 
Live at the Berlin Jazz Festival 1966 besteht aus Masterbändern eines Doppelkonzertes vom Stan Getz Quartet & Astrud Gilberto mit bislang unveröffentlichten Versionen, klanglich sehr gut neu aufbereitet. CD Nummer eins zeigen den US-Saxofonisten und sein Quartett mit Vibrafonist Gary Burton und Drummer Roy Haynes in Höchstform. Auf CD Nummer zwei veredelt die damals noch junge Brasilianerin Astrud Gilberto Brasil-Klassiker wie „Corcovado“ oder das berühmte „Girl from Ipanema“ und berühmte Jazzstandards mit ihrem sanften Gesang.   
 
Die Markus Stockhausen Group bietet dem geneigten Hörer sogar gleich drei CDs mit ihrem neuen Werk. Tales bietet einen Silberling mit komponierter Musik und zwei weitere mit improvisierten Stücken. Aber eigentlich nehmen alle der insgesamt 25 von Markus Stockhausen (Trompete, Flügelhorn), Jörg Brinkmann (Cello), Jeroen van Vliet (Piano, Synthesizer) und Christian Thomé (Schlagzeug) gespielten Stücke den Zuhörer mit auf klanglich weit gefasste, ästhetisch schöne musikalische Reisen voller Entdeckungsmöglichkeiten zwischen kammermusikalischen Augenblicken und schwerelosen esoterischen Momenten.
 
Zum Abschluss noch ein Tipp für echte Energiemusik: Die rumänische Blechblaskapelle Fanfare Ciorcărlia feiert gerade ihr 25-Jähriges Bandjubiläum. Seit einem Vierteljahrhundert sorgen die zwölf Herren aus dem kleinen Roma-Dorf Zece Prăjini im Nordosten Rumäniens, unweit der Grenze zu Moldawien, für tanzende Beine und gute Laune mit ihrem Balkan-Brass-Sound. Das ist auf ihrer neuen CD nicht anders. Wer sich nach Sonne und Fröhlichkeit sehnt im bevorstehenden Herbst und Winter, wer schnelle Rhythmen, Balkanfolklore und tänzelnde Melodien mag, liegt mit It Wasn´t Hard To Love You“ genau richtig.  
 
Text: Christoph Giese


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Frida  „Freedom of Flight“ von Kurt Rade
 
Mascha Corman - Gesang
Sara Decker – Gesang
Julia Ehninger – Gesang
Conrad Noll – Kontrabass
Jeroen Truyen – Schlagzeug
 
„Baby one more time“ könnte man sagen, meine aber, das ich mir die Einspielung gleich mehrmals hintereinander angehört habe. Erst dann erkennt, oder erhört man die Vielfalt und den Klang-Reichtum der Arrangements. Es muss eine enorme Arbeit und viel Herzensblut in dieser Einspielung stecken.
 
„Baby one more time“ berühmt geworden durch Britney Spears haut gleich richtig rein und zeigt auf Anhieb was noch zu erwarten ist. Kraftvoll und mit Druck umgesetzt, drei Stimmen die wie füreinander geschaffen zusammen einen wunderbaren Stimmensound ergeben. Conrad Noll am Bass lässt diesen Singen und gibt durch seine Spieltechnik dem Ton einen Raum. Jeroen Truyen an den Drums setzt seine Rhythmen gefühlvoll ein, nimmt sich zurück wo es sensibel wird und geht nach Vorne wenn Dynamik angebracht ist. Mascha Corman, Sara Decker und Julia Ehninger, drei außergewöhnliche Stimmen mit einer unglaublichen Klarheit und Klangvielfalt zeigen das sie nicht nur Singen sondern auch was Erschaffen wollen.
 
Alle drei Sängerinnen könnten die Arrangements großartig alleine durchziehen, aber durch Noll und Truyen gewinnt es hier eine seltene Lebendigkeit. Durch dieses Gesamtbild und der Interpretation, ist das Verstehen des Ganzen ein fließender Übergang. Trotzdem geben sich Sängerinnen wie Musiker Freiraum zu Improvisation und Ausdruck.
 
Alle Texte haben seelischen Tiefgang und ihre Lyrik verlangte nach Auseinandersetzung mit diesen um Arrangements umsetzten zu können.
 
„Kein Kinderlied“ und „Der schwere Traum“ sind zeitgemäße aber auch zeitlose Texte die vom nicht enden wollenden Schwierigkeiten mit sich selbst und den Menschen untereinander aufzeigt. Eine bedrückende Lyrik die wie zufällig in unsere heutige Zeit passt. Flucht, nie endende Kriege, Hunger, Leid, Schmerz und die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit sind ein Ruf dieser Einspielung.
 
Nach dem Anhören der Einspielung kann man nicht nur aufstehen und gehen, Nachdenklichkeit setzt ein, aber auch das Gefühl eine tolles Hörerlebnis gehabt zu haben.
 
Vielen Dank an Mascha Corman, Sara Decker, Julia Ehninger, Conrad Noll und Jeroen Truyen.
 
Text: Kurt Rade


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„Voyage West“  Neue Einspielung von Stefan Bauer
 
Tammy Scheffer – Voice
Stefan Bauer – Marimbaphon & Vibraphone
Chris Bacas – Sopran & Tenorsaxophone
Jim Vivian – Bass
Greg Ritchie – Drums

Stefan Bauer lebt schon lange in New York, aber auch Canada war viele Jahre seine Heimat. Natürlich hat ihn der dortige Jazz geprägt, denn die Uhren ticken ein wenig anders als in Europa. Seine Wurzeln hört man aber aus jeder seiner Kompositionen heraus und diese Mischung macht das Besondere an seinen Kompositionen aus.
 
Mit Chris Bacas hat er einen Partner an seiner Seite die schon eine „Langjährige Musikalische Verbindung“ prägt.
 
Tammy Scheffer kommt aus Israel und ihre Stimme ist so klar wie ein Bach in den Bergen der Alpen.
 
Seine neue Einspielung ist inspiriert von den Eindrücken und Erlebnissen aus Canada, Amerika, Europa und vor allen Dingen aus den phantastisch schönen Land Island.
 
Stefan ist auch ein Kind des Ruhrpotts und seine Kindheit war geprägt durch die Steinkohle und das Leben mit Pütt und Zeche. Kohleberwerke gab es natürlich auch in Canada und eine Komposition „ In the Town of Springhill, Nova Scotia“ handelt von einem Bergbauunglück bei dem mehrere Bergleute ums Leben kamen. Interpretiert wird das Stück eindringlich von Tammy Scheffer und Stefan Bauer im Dialog. Es sind keine Melodiebögen sondern Melodiesprünge. Die klare Stimme von Tammy Scheffer und die tiefen und dumpfen Töne des Marimbaphon spiegeln dieses dramatische Erlebnis gefühlsvoll wieder.
 
Wunderbar die Komposition „Entre Nous“. Hier brilliert Jim Vivian mit einem toll singendem Bass-Solo im Übergang zu den klaren Tönen des Vibraphons und dem sensiblen Saxophon von Chris Bacas, dessen Töne träumen lassen.
 
„First Snow“ ein Dialog mit Stimme und Marimbaphon. Gerade läuft im Fernsehen ein Film über die Natur Canadas und die Musik passt dort hinein wie dafür komponiert. Wann gibt es mal so ein Duo, Marimba und Stimme mit stark meditativen Charakter und Melodiebögen.
 
Dann eine Überraschung, wer kennt nicht das Stück „Caravan“ von Juan Tizol & Duke Ellington. Hier geht die Post ab. Der treibende Drive von Greg Ritchie & Jim Vivian lässt niemanden auf dem Stuhl ruhig sitzen. Natürlich lassen sich Chris Bacas und Tammy Scheffer diese Gelegenheit nicht entgehen und setzen durch feurige Solos noch einen drauf.
 
“Some other time” ist wieder ein Duo zwischen Stimme und Vibraphon. Wie dafür geschaffen diese Stimmen. Es klingt auch leider wie ein Abschied von dieser tollen Einspielung, aber gibt auch die Hoffnung für ein anderes Mal. Es weckt melancholische Gefühle, Traurigkeit und Glück in sich. Hoffentlich werden wir in absehbarer Zeit mehr davon hören können.
 
Das Stefan Bauer Quintet „Voyage West“ kommt nach Deutschland zu einer kleinen Tournee und wer sich das nicht entgehen lassen möchte, hier die Daten:
 
06.03.2019 Bergkamen „Galerie Sole 1“ 19:30 Uhr
07.03.2019 Herne „Flottmann Hallen“    20:00 Uhr
08.03.2019 Düsseldorf „Jazzschmiede“   20:00 Uhr
09.03.2019 Sendenhorst „Haus Siekmann“ 20:00 Uhr
10.03.2019 Köln „Freiraum Galerie“         19:00 Uhr
11.03.2019 Recklinghausen „Ruhrfestspielhaus“ 20:00 Uhr
   
Text: Kurt Rade

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Sven Decker´s „JULI Quartett“  -  Lost in Poll  -

Sven Decker – Tenor Sax., Bass Clarinet, Clarinet
Heidi Bayer – Trumpet, Flügelhorn
Conrad Noll – Double Bass
Jo Beyer – Drums

So ist das, der Sommer 2017 war ja nicht so wie der von 2018. Da es keine großen Hitzeperioden gab und Aufräumarbeiten in einem Proberaum für verschiedene Musikerinnen und Musiker anstanden dachte man sich, machen wir doch mal eine Session.
 
Manchmal will das Schicksal es so (oder es soll so sein), das Menschen aufeinander treffen, Musik machen und auf einmal merken das ihr Zusammenspiel zu was Besonderem fähig ist.
 
Das Ergebnis ist die Einspielung „Lost in Poll“ die vor Lebendigkeit und Spielfreude nur so strotzt. Die Schuhgröße die Sven Decker vorher hatte wurde zu klein, denn hier sind einige Schuhgrößen dazu gekommen. Die Weiterentwicklung in den Kompositionen und auch in der Spielweise ist unüberhörbar.
 
In der Komposition „BIN“ die fast wie ein Trauermarsch beginnt ein Duett zwischen Trompete und Bass-Clarinette. Ein satter Trompetenton von Heidi Bayer mit den Melodieläufen einer Erzählung gleich und wunderbaren Phrasierungen beginnen dieses Stück. Darauf folgend ein tief sensibler Einstieg von Sven Decker der seinen Atem kaum hörbar ins Sax hauchte, es entwickelte sich aber dann eine Spirale der Emotionen die einem Höhenflug der Seele gleich kam. Die Töne wurden in den Raum geschmettert und zeugten von tiefer Verletzbarkeit aber auch von Hochgefühl. Es war einfach wunderbar anzuhören.
 
Conrad Noll am Bass spielt mit einem wuchtigen Ton und hoher Präzision. Er treibt alle vor sich her und macht Druck. „Fulton-Shoes“ beginnt mit einem Bass-Solo in dem die Seiten geschlagen werden und aufs Brett knallen. Tiefen, Höhen, Flachelet-Töne, ein Karussell in sich.
 
Mit Jo Beyer hat sich Sven Decker einen Drummer geholt der sehr modern und Kammermusikalisch auf hohem Niveau spielt. Er lässt keine Sekunde aus um jedem Stück rhythmisches Leben einzuhauchen.
 
„Lost in Poll“ ist was Besonderes, den Sven Decker macht es sich nie einfach. Immer zeugen seine Einspielungen von hoher Sensibilität, Melancholie, Wut, Schönheit, Ausbruch und einer wirklich eigenen „Art“ (Kunst) zu komponieren. Eine Einspielung nur zu empfehlen ist und Live ein Genuss sein muss.
   
Text: Kurt Rade

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Die Einspiel Besprechung:
 
Christina Schamei Quintett „Waves And White Horses“
 
Christina Schamei – Vocal
Benedikt Koch – Saxophone
Simon Seeberger – Piano
Caris Hermes – Bass
Niklas Walter – Drums
 
Christina Schamei, eine Jazzsängerin lebend in Köln, veröffentlicht ihre erste Einspielung. „Waves And White Horses“, das gleichnamige erste Stück auf der CD überrascht schon bei den ersten Tönen.
 
Die Komposition, strukturiert durch Moderne Klangfolgen, einer wunderbaren und klaren Melodie deren Wärme sich gleich einprägt und ausbreitet.
 
Christinas Stimme klingt ausgereift und klar, sie gibt allen Kompositionen eine unvergleichliche Wärme, klingt niemals aufdringlich oder aufgesetzt und hält die Spannung der Kompositionen immer auf den Höhepunkt.
 
Die Musiker die sie sich für ihr Quintett sorgfältig aussuchte, passen wie geschaffen zu ihren Kompositionen und spielen auf höchstem Niveau. Alle Musiker sind noch sehr jung, zeugen aber von einer großen Reife, Präzision und Können in ihrem Spiel.
 
Benedikt Koch und Christina Schamei bilden eine Synthese deren Klangfolgen sich immer wieder ergänzen und abwechseln. Beide würden auch ein erfolgreiches Duo präsentieren.
 
Simon Seeberger bildet mit seinem Spiel einen Klangteppich auf dem Benedikt und Schamei sicher wandeln können. Seeberger kann gleichzeitig mehr als sensibel, aber auch kräftig und dynamisch die Stücke zum kochen bringen.
 
Bleibt zuletzt das Rhythmus-Duo Caris Hermes und Niklas Walter. Beide sind für jede Gruppe eine sichere Bank. Sie sind schon seit einigen Jahren eingespielt und verstehen sich blind, ihr Einfühlungsvermögen in die Kompositionen fasziniert.
 
Die Komponisten Christina Schamei und Benedikt Koch liefern hier Stücke die eine persönliche Handschrift aufweisen, allein die Texte im Zusammenhang mit den Kompositionen haben einen hohen Anspruch. Riverman von Nick Drake und von Benedikt Koch arrangiert, einfach nur gut. Mit viel Sorgfalt und Mühe wurden die Kompositionen zu einem Großen-Ganzen zusammengefügt und man merkt das der Anspruch etwas sehr Gutes zu produzieren gelungen ist.
 
Wer einem Menschen ein schönes musikalisches Geschenk machen möchte, dem kann man diese Einspielung nur empfehlen.
 
 
Text: Kurt Rade

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Musik für eine ganz private Erinnerungsreise von:
 
Michael Kalthoff-Mahnke
 
Nicht ganz neu, aber zeitlos zauberhaft: Remembrance von Ketil Björnstad (Piano), Ture Brunborg (Tenorsaxofon) und Jon Christensen (Drums). Erschienen 2010 bei ECM.
 
Am Ende einer sommerlich heißen Woche bringt der ersehnte Regen am Samstagabend doch noch etwas Kühlung und Erfrischung. Es ist früher Sonntagmorgen, ich stehe in der Küche, fülle Wasser in den Wasserkocher und Tee in den Teebeutel. Während das Wasser im Kocher leise zu singen beginnt, schaue ich hinaus in den Garten. Ein leichter Neben hängt in den Bäumen. Der Regen hat die prächtigen Rosenblüten schwergemacht, sie lassen ein wenig die Köpfe hängen. Ich öffne die Terrassentür, ein angenehm kühler Wind strömt hinein, der Wohlgeruch nach frischer, feuchter Erde steigt mir in die Nase. Jetzt Musik. Ich gehe die CDs neben dem kleinen Kombispieler in der Küche durch. Nichts dabei, was meiner momentanen Stimmung entsprechen würde. Ich lasse mich bei der Musikauswahl gerne von Gefühlen, Eindrücken und Gemütslagen beeinflussen. Darin liegt (für mich) ihr eigentlicher Sinn. Ein Gang zum CD-Regal und irgendwie gibt es nur noch eine Möglichkeit, die in die Gesamtkomposition dieses frühen Sonntagmorgens passt: Remembrance von Ketil Björnstad (Piano), Ture Brunborg (Tenorsaxofon) und Jon Christensen (Drums). Schon bei den ersten Takten von Björnstadts Klavierspiel, der sanften, melodiösen Lyrik von Rundborgs Saxofon und Christensens zurückhaltenden Schlagwerk und Beckenspiel weiß ich, dass ich die richtige Wahl getroffen habe für diesen Start in den Tag.
 
Bereits 2010 haben die drei Nordlichter das Album eingespielt. Es umfasst elf Stücke, die unprätentiös „Remembrance I bis XI“ benannt sind. Es ist in der Tat eine Art Konzeptalbum, das den Zuhörer, der sich darauf einlässt, auf eine ganz persönliche Erinnerungsreise mitnimmt. Musik, die zeitlos, manchmal schwerlos ist. Wie Remembrance III: Eine sanfte Melodie von trägt durch einen lauen Sommerabend, Erinnerungen an einen glücklichen Tag werden wach, ein Spaziergang auf einer blumenübersäten Sommerwiese. Ähnlich, aber etwas verträumter das anschließende Remembrance IV, mit einem lyrischen Saxofon, das sich immer wieder auch zu eigenen Improvisationen aufmacht. In Remembrance V zeigt Björnstad, wo seine Wurzeln liegen: in der klassischen Musik. Mit choralähnlichem Spiel legt er einen zauberhaften Klangteppich für ein Solo-Saxofon, das unter die Haut geht. Das Album strahlt Ruhe aus, ist trotz mancher Moll-Passagen aber niemals düster. Manchmal verströmt es eine gewisse Wehmut, wie beim grandiosen Remembrance X, die aber nicht in Trauer umschlägt, sondern in Optimismus, dass das was kommt, gut wird. Aus Erinnerung wird Zukunft.
 
Text: Michael Kalthoff-Mahnke

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„Jeg roper til deg“ (Ich rufe dich)  Ein Bericht von Kerstin Siemonsen
 
Unbeschreiblich schön – das Duo Torhild Ostad und Carsten Dahl
 
Ganze 21 Jahre ließ die norwegische Vokalistin Torhild Ostad verstreichen, bis sie ihr zweites Album veröffentlichte. Und es bedurfte des genialen dänischen Pianisten Carsten Dahl, um Ostad aus dem Dornröschenschlaf zu holen. Was dabei herausgekommen ist so unglaublich schön, so beeindruckend und tiefgehend, dass ich tief gerührt bin.
 
Da spielen zwei geniale Musiker, die sich auf wunderbarste Weise ergänzen: Auf der einen Seite Carsten Dahl, der mich immer wieder mit seinem intensiven Spiel beeindruckt und das nicht nur wegen seiner Spielweise, sondern auch wegen der Art wie er spielt. Er versinkt quasi auch physisch in seiner Musik. So sitzt er mit geschlossen Augen, tief versunken vor dem Klavier so als würde er in seine eigene Musik eintauchen. Ich bin immer wieder fasziniert und nutze jede Gelegenheit ihn live zu hören. Und auf der anderen Seite Torhild Ostad eine Vokalistin, die mit glasklarer Stimme, die so wunderbar einen Kirchenraum füllt, das Herz berührt. 1996 veröffentlichte sie unter dem Titel «Blomar i moll» (Blumen in Moll) ihre erste und bisher einzige CD als Soloartistin mit traditioneller norwegischer Musik. Die CD wurde hoch gelobt, doch führte Ostads Lebensweg sie weg von der Musik.
 
Die CD „Jeg roper til deg“ umfasst sowohl Kirchenchorale als auch eigene Stücke von beiden Musikern. Sie drehen sich um das Thema Beziehung zwischen Frauen und Männern. Dass diese nicht immer glücklich verlaufen, wird in der Tonart aber auch in den Texten deutlich. Mein Favorit ist „Alt forandrer seg“ (Alles verändert sich) einem Stück von Ostad. Der Text weckt in mir Erinnerungen an einen guten Freund, den ich glaube verloren habe und berührt mich daher tief. Schade, dass es für die Texte keine englische Übersetzung gibt. So haben nur die, die norwegisch verstehen eine Chance die Tiefsinnigkeit und Schönheit zu erfassen. Aber auch ohne Textverständnis ist die CD absolut hörens- und empfehlenswert. Deshalb freue ich mich auch, das Duo beim Jazzfestival in Molde (Norwegen) im Juli 2017 live hören zu dürfen. Dort spielen sie in der Domkirche. Eine Spielstätte, ich die für diese Musik einfach nur genial finde. Ich werde hier darüber berichten.
 
Zur Gestaltung der CD haben beide Musiker beigetragen. Das Deckblatt und die Zeichnungen im Booklet stammen von Thorhild Ostad, während Carsten Dahl mit einem Bild auf der Innenseite zum Gelingen beigetragen hat. So erhält die CD eine ganz persönliche Note. Und wer sie nun bestellen möchte kann dies hier tun:
 
 
Text: Kerstin Siemonsen

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Weihnachten kann kommen:

Einspielbesprechung von Michael Kalthoff-Mahnke

Nils Landgren „Christmas With My Friends V“

Zum fünften Mal legt Nils Landgren eine Weihnachts-CD vor. In diesem Jahr macht er damit eine besondere Freude. Nie waren der Schwedische Jazz-Posaunist und seine filigranen Mit-Spieler besser als zu diesem Fest.

Ganz ehrlich: Das habe ich nicht erwartet. Aus guter (Weihnachts-) Tradition habe ich „Christmas With My Friends V“ in den CD-Spieler geschoben. „Ist ja nicht die erste Weihnachts-CD von Landgren“, denke ich. Von der ersten, erschienen 2006 (!), war ich begeistert. Die Nachfolger waren nett, konnten aber bei weitem nicht an Nummer eins heranreichen. Und jetzt also: Die Fünfte! Schon bei den ersten  Klängen des Bachschen Chorals „Morgenstern und Morgenlicht“ wird mir ganz feierlich zumute und eine vorweihnachtliche Gänsehaut läuft über meine Unterarme. Beim temperamentvollen „Joy Oft The World“ habe ich Kerzenglanz in meinen Augen, der heiter-musikalische Dialog „Baby Ist’s Cold Outside“ treibt mir ein mildes Schmunzeln ins Gesicht und beim souligen Traditional „Go Tell Ist On The Mountain“ erwische ich mich, wie ich mit dem Fuß im Takt wippe.

Und so geht es weiter: Nils Landgren und seine musikalischen Freunde haben von traditioneller bis moderner Weihnachtsmusik einen bunten Strauß zusammengesteckt – mal klassisch, mal jazzig, mal besinnlich, mal fetzig. „It is a whole lot of fun to do the research together with my Christmas friends“, schreibt Landgren im Innenteil des CD-Covers. Die Freude, mit der die Musiker Landgrens Arrangements spielen, springt sogleich auf den Hörer über. Und was sind das für Musiker, alles Meister ihres Fachs. Allein die stimmliche Vielfalt besticht:  Jeanette Köhn mit zartem, klassischen Sopran, ebenso Jessica Pilnäs mit klarer Jazzstimmung, der Blues von Sharon Dyall und immer wieder Ida Sand, die mit ihrem smoothigen Alt als „Schwarzeste Stimme Skandinaviens“ gilt. 18 Mal große Freude. Landgren ist eine Riesenüberraschung  gelungen. Die CD liegt spielbereit in meiner Nähe und wird mich musikalisch durch den Advent und die Weihnachtszeit begleiten. Im Haus oder im Auto, „Now The Time Is Here“.

P.S. Bugge Wesseltofts „It’s Snowing On My Piano“ wird natürlich in dieser vorweihnachtlichen Zeit ebenfalls nicht fehlen.

Nils Landgren, Christmas With My Friends V. Erschienen 2016 bei ACT

Text: Michael Kalthoff-Mahnke

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Einspielbesprechung von Kurt Rade:

„JOULU & JUL“ von Tuija Komi Weihnachtslieder aus Finnland und Skandinavien
 
Tuija Komi – Gesang
Walter Lang – Piano
Peter Cudek – Bass
Martin Kolb – Drums
 
Eigentlich ist es nicht mein Ding Weihnachts-Cd´s zu besprechen aber diese von Tuija Komi ist mit viel Herz und Engagement eingespielt worden.
 
Tuija Komi ist gebürtige Finnin, lebt aber schon viele Jahre in München und ist dort in der Jazz-Szene beheimatet. Bekannt ist sie in Finnland und Skandinavien, wie natürlich auch in Deutschland durch Einspielungen von traditionellen bis modernen Jazz. Sie hat eine klare Stimme des Nordens der man natürlich auch die Melancholie anhört.
 
Das macht diese Einspielung auch so hörenswert, denn sie ist durch und durch Jazz, mit tollen Solos, jazzig arrangiert, hat einen Hauch der Weite des Lapplandes. Wenn man nicht wüsste dass es Weihnachtslieder sind, könnte man sie sich zu jeder Jahreszeit anhören.
 
Besonders gefallen hat mir „Hiutaleet maahan leijailee“ (Schneeflocken fallen leise) und „En etsi valtaa loistoa“ (Ich suche keine Macht, keinen Glanz) natürlich aus Finnland.
 
Beide Stücke werden mit einer unglaublichen Zärtlichkeit gesungen und wunderbar interpretiert und sind nicht für eine Sekunde schmalzig oder rührselig. So was hört man so nicht alle Tage. Das Pianosolo von Walter Lang auf „Schneeflocken fallen leise“ ist sensibel und feinfühlig gespielt.
 
Man hört klar heraus, dass alle Musiker von den Stücken überzeugt sind und es muss ihnen einen Riesenspaß gemacht haben diese Cd einzuspielen. Hier ist eine Jazz-Weihnachts-Cd gelungen und ein schönes Geschenk für die Lieben.
 
 
Text: Kurt Rade

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Die Einspiel Besprechung:

„Marie Mokati Break Loose“

Marie Daniels – Gesang / Komposition
Tim Bücher - Gitarre
Moritz Götzen – Kontrabass
Karl F. Degenhardt – Schlagzeug

Sitze gerade am Schreibtisch und höre mir zum x-ten Male die neue CD von Marie Daniels und ihrem Quartett an. Hier riskiert sie einen Sprung vom Jazz im herkömmlichen Sinne, zum Songwriter mit allen neuen Vielfältigkeiten die ihr zur Verfügung stehen.
Ihre so und so schon herrliche Stimme ist zu einer Kunstform gewachsen, wodurch sie den Kompositionen und durch die Veränderbarkeit ihrer Stimme verschiedene Leben einhaucht.
Marie integriert nun, was den Jazz bereichert. Ob Soul, Funk, Lyrik oder Folk, bildet Marie aus diesem eine spannende Synthese die voller Leben ist.
Auch ihre Texte stehen mitten im Leben und sind keine verträumten Illusionen. Hier bringt sie ihre junge Lebenserfahrung mit ein und spricht eine Sprache in der sie ihre Generation zum Nachdenken anregt.
Beeindruckend ist auch wie begeisternd ihre Band sich ihrer Veränderung anpasst. Als wenn es eine Selbstverständlichkeit gewesen wäre, leben sie voll in den Kompositionen auf und man wundert sich welche Fähigkeiten in ihnen stecken. Mal sehr wuchtig oder mit großem Feingefühl, begeisternd und konzentriert, wird diese schon lange zusammenspielende Band zu einer großen Bereicherung der Jazzscene in Deutschland. 
Es gibt einige Jazz-Sängerinnen die ihre Farben wechseln, vor allen Dingen die Nordischen Interpretinnen erfinden sich dadurch immer neu.
Auch Marie geht hier den richtigen Weg, denn Stillstand kennt sie nicht.
Aus ihren Kompositionen kann ich eigentlich keine besonders hervorheben, es sind wunderbare Melodien mit viel Einfühlungsvermögen, großer Intensität und mit unglaublich viel Liebe interpretiert.  

Diese Einspielung zu besitzen lohnt sich.

http://mariedaniels.de/projekte/

Text & Fotos: Kurt Rade 
Cover Fotos: Christian Hengst

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Einspiel-Besprechungen:

   

„QUESTIONS“
Rüdiger Scheipner – Tenor, Sopransaxophon, Bassklarinette
Tarik Dosdogru – Vibraphone

Tarik Dosdogru hörte ich zum ersten Mal im domicil in Dortmund bei dem Projekt „Dortmunder Jazzwerkstatt“ Auffällig war seine lockere Spielweise, ernsthaft bei der Sache und ein starkes Einfühlungsvermögen für seine Musiker.
Leider hatte ich noch nicht die Möglichkeit Rüdiger Scheipner Live zu hören.
„Questions“ ist eine sehr vielseitige und zum genauen Hinhören geprägte Einspielung.
Das Stück „Good Bey“ transportiert alle Gefühle des Abschiednehmens und wird von beiden Musikern überzeigend gespielt. Es befällt einem eine gewisse Traurigkeit, das aber ein Zeichen für das umgesetzte Thema ist wie es auch sein soll. Rüdiger Scheipner glänzt hier mit einem Solo dem der Schmerz des Abschiedes anzuhören ist. Mal Schreiend oder ganz leise wird die Ballklarinette zum Werkzeug des Ausdrucks.
Mit „Paula“ wird die Lebenslust und Freude daran zum Ausdruck gebracht. Fast zum Tanzen angeregt macht es einen Riesen-Spaß hier zuzuhören.
„Hade“ ist auf der Einspielung die einzige Komposition von Tarik Dosdogru. Die Wurzeln sind unverkennbar. Orientalische Ton-Läufe, springende Tonbildung und ein explodierendes Thema verlangt beiden alles ab. Wie das Laufen auf einen Berg hinauf geht es höher und höher. Oben treffen sich beide und genießen das Verweilen um mit dem Thema das Stück abzuschließen.
„Spoon Moon“ eine wunderbare Ballade von Rüdiger Scheipner. Ein ruhiges Thema worauf Tarik Dosdogru herrlich improvisiert. Beeindruckend wie Tarik mit seinen Klöppeln und dem Vibrafon eine Klangwelt produziert die von äußerster Sensibilität ist.
Eigentlich sind alle Kompositionen ausgereifte Stücke und von hoher Qualität. Es ist ein Genuss der Einspielung vom Anfang bis zum Ende zuzuhören. Hier bleiben keine Fragen offen.
http://dosdogru.de/ http://www.monarecords.productions/last-release
Text: Kurt Rade
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